Am Ende wird Kapitalismus eine neue Zivilisation der wohlverstandenen Mitmenschlichkeit und ökologisch bewussten Rücksichtnahme zur Welt bringen müssen, wo die Individuen und Institutionen der “einen Welt” ihr Miteinander auf Basis eines weltgemeinschaftlich ausgehandelten und kontrollierten Nachhaltigkeitsmanagements regeln, in das regionale, gruppenspezifische oder individuelle Besonderheiten der Menschen und ihrer jeweiligen Umwelt – gut – aufgehoben sind.
Ich bin in so fern kein Antikapitalist als ich gerade auch innerhalb kapitalistischer Strukturen nach sich – keimförmig – entwickelnden Anlagen für eine derartige Fortsetzung der “Menschwerdung des Affen” (Engels) bzw. Menschheitswerdung von uns kapitalistisch gebildeten Primaten-Ansammlungen suche. Reine Delegitimierungsstrategien gegen “den Ökokapitalismus” usw. werden schnell zum hilflosen Anti-Kapitalismus, der nichts mehr fürchten muss als irgendwelche Fortschritte in Sachen Mitmenschlichkeit und ökologischer Rücksichtsnahme. Denn das könnte ja die schöne Negativwerbung stören. Die “radikale” Kritik kann so leicht zum folkloristischen Beiwerk des Fortschritts kapitalistischer Lebensstile werden, das über das Auspolstern der eigenen sozialen Nische nicht hinaus kommt.
Eine mehr dialektische Sicht der Dinge kann aber auch leicht ins andere Extrem ableiten und widtmet dann den richtg miesen, inhumanen Seiten des Kapitalismus nicht mehr die ihnen gebührende Aufmerksamheit. So habe ich mich entschlossen, dem – um Blicke nach vorn bemühten – Blog “mehr (Öko-)Kommunismus wagen” entsprechende Seitenblicke auf die ganz dunklen Seiten des Kapitalismus zur Seite zu stellen.
Kritik, Tipps und gegebenenfalls auch Autoren sind herzlich willkomen
Wenn wo Helmut Höge draufsteht darf man sich in der Regel auf außerordentlich geistreich geschriebene Schmunzelgeschichten über die Skurilitäten des kapitalistischen Alltags freuen. Sie führen einem stets auch manch eigene Bildungslücke vor Augen – und das meist in einer wirklich bezaubernden Weise. Skuril ist seine am 30.12.11 in der Taz veröffentlichte Geschichte auch, aber statt Schmunzeln erregt der Bericht über die Strafexpedition des Philips-Konzerns gegen ein Händler-Ehepaar wegen einer – möglicherweise – abgelaufenen Lizenz für eine Film-DVD nur kalte Wut.Wegen der bloßen Möglichkeit einer Fliege auf irgend ner zum Kauf stehenden Untertasse (für den möglichen Lizenz-Verstoß währe im Übrigen eh das Presswerk verantwortlich) richtet der Konzern die Kannonen seiner Rechtsabteilung auf den Porzellanladen und feuert, bis alles in Trümmern liegt. Und vor Gericht entscheiden offensichtlich die finanziellen (Un-)Möglichkeiten in die nächst höhere Instanz zu gehen über Recht und Unrecht – Sprechung. Empörend auch die Empfehlung des Rechtsanwaltes, mit der Sache nicht an die Öffentlichkeit zu gehen, weil dies der Konzern möglicherweise als Üble Nachrede interpretieren und zu einer neuen juristischen Breitseite provozieren könnte.
Patent 0745254 und das Ehepaar Bednarski
Die teure Lizenz des Philips-Konzerns
Rund 8.000 Euro Anwaltskosten, 220 zerstörte DVDs und ein Jahr Schikanen. Wie der Philips-Konzern die Existenz eines Händlerpaars zerstörte.
Meine Hoffnungen richten sich darauf, dass das Nachdenken über dieses und ähnliche Ärgernisse zum allgemeinen Vordenken in Richtung eines Miteinander-Wirtschaftens beitragen möge, das auf Basis eines gemeinschaftlichen Nachhaltigkeitsmanagements funktionierte, bei dem allein die sozialen bzw. ökologischen Kosten über die Grenzen des Genießen-Könnens entscheiden, allen ein Grundrecht auf die Befriedigung basaler Bedürfnisse zusteht (in den Grenzen dessen, was an sozialen bzw. ökologischen Kosten verantwortet werden kann) und auch die Belohnung besondere Leistungen vom Verkauf handelbarer Dinge und damit Ressourcenverbrauch abgekoppelt wird, so dieser rein technisch nicht mehr nötig ist.
Was die Schweiz und Liechtenstein für Steuerhinterzieher sind, ist Deutschland für Geldwäscher: ein Paradies. Extrem hoher Bargeldumlauf, liquide Finanzmärkte, ein rechtstaatlich gesichertes System und wenig Korruption ziehen Italiener, Russen, Libanesen und selbstverständlich deutsche Kriminelle an, die ihr illegales Kapital säubern wollen.
Nach Schätzungen einer Spezialagentur der Dachorganisation der wichtigsten Industrieländer OECD boomt deshalb die Schattenwirtschaft gerade in Deutschland. Sie wird von der OECD auf ein Volumen von 500 Milliarden Euro taxiert, der kriminell erwirtschaftete Gewinn auf jährlich 43 bis 57 Milliarden Euro. Weltweit geht es laut einem Bericht des Büros für Verbrechensbekämpfung der Vereinten Nationen (UN) um mehr als eine Billion gewaschenes Geld.
Bislang würden weniger als ein Prozent der gewaschenen Gelder in Deutschland beschlagnahmt, klagt der Vizepräsident des Bundeskriminalamts (BKA) Jürgen Stock. Deutschland gilt der Spezialagentur der OECD auch deshalb als besonders einladendes Paradies für Geldwäscher.
“Noncompliant” – Empfehlungen nicht umgesetzt – lautet ihr Urteil über Deutschlands Bemühungen gegen die Geldwäsche. Auch in einem Bericht des US-Innenministeriums fallen wenig schmeichelhafte Worte. Dort wird Deutschland als “bedeutendes Geldwäscheland” gebrandmarkt.